Der Seddiner See in der Eiszeit

    Eine detaillierte geologische Zeitreise

    Die Seddiner Seen (Großer und Kleiner Seddiner See) entstanden während der Weichsel-Kaltzeit – der letzten großen Eiszeit. Sie sind typische glaziale Flachseen, die durch die Tätigkeit des Inlandeises und seiner Schmelzwässer geformt wurden.

    Die Weichsel-Kaltzeit: 115.000 bis 11.700 Jahre vor heute

    Die Entstehung des Seddiner Sees ist untrennbar mit der Weichsel-Kaltzeit verbunden – der letzten großen Eiszeit, die vor etwa 115.000 Jahren begann und vor rund 11.700 Jahren endete.

    Während dieser über 100.000 Jahre währenden Periode bedeckten Gletscher weite Teile Nordeuropas und drangen bis in das nördliche Mitteleuropa vor.

    Maximaler Eisvorstoß vor ~20.000 Jahren

    Die Eisfront verlief von Flensburg über Hamburg, südlich von Schwerin, durch Brandenburg bis nach Guben.

    Das Brandenburger Stadium

    Der Seddiner See entstand im Brandenburger Stadium der Weichsel-Kaltzeit – einer spezifischen Eisrandlage, die sich vor rund 20.000 Jahren bildete. Diese Phase ist für die Landschaftsgestaltung Brandenburgs von zentraler Bedeutung.

    Die Entstehung in zwei Phasen:

    1
    Beckenbildungsphase

    Unter dem Inlandeis wurden durch den Gletscher selbst, subglaziale Schmelzwässer oder eine Kombination beider Prozesse zahlreiche Becken angelegt. Die Gestaltung erfolgte entsprechend der Topografie des Gletschereises.

    2
    Beckenerhaltungsphase

    Vor einer vollständigen Zufüllung blieben zahlreiche Becken durch isolierte Inlandeisreste – sogenannte Toteiskörper – bewahrt. Um- und Überschüttung oder Einbettung konservierten die eisgefüllten Becken bis zum Austauen.

    Geomorphologische Doppelnatur

    Der Seddiner See ist einzigartig, da er zwei verschiedene glaziale Entstehungsformen in sich vereint:

    Rinnensee

    Der See liegt in einer ehemaligen Schmelzwasserabflussbahn, die sich zwischen zwei Rückzugsstaffeln der Inlandvergletscherung des Weichselglazials bildete. Diese Abflussbahn erstreckte sich von Ferch-Lienewitz über den Großen und Kleinen Lienewitzsee, den Karinchensee, das Seddiner Fenn, die Seddiner Seen und den Langen Grund durch die Fresdorfer Heide bis nach Saarmund.

    Toteissee

    Parallel zur Rinnenbildung entstand der See an einer untergeordneten Lobennaht. In diesen Nähten sanken größere Eismassen bis auf den Gletscherboden und wurden von Sanden umhüllt. Nach dem Abschmelzen verhinderten die Sandmassen das schnelle Abtauen – diese blieben als Toteis liegen.

    Schmelzwasser-Route

    Besonders bemerkenswert: Die Schmelzwasser strömten in umgekehrter Richtung als heute!

    Zauche

    Ausgangspunkt

    Lienewitzsee & Karinchensee

    Nach Süden

    Seddiner Fenn & Seddiner Seen

    Ostwärts

    Saarmund

    Trebbin-Potsdamer Abflussbahn

    Diese heute von Nuthe und Nieplitz genutzte Abflussbahn entstand also bereits in der Eiszeit.

    Der Beelitzer Sander: Das Sedimentarchiv

    Die Seen liegen am Rand des Beelitzer Sanders – einem der größten Sander Brandenburgs. Dieser Kegelsander entstand während der Weichsel-Eiszeit als Ablagerungsgebiet von Schmelzwassersanden.

    17 km

    Maximale Breite

    Geologische Schichten:

    Grundmoränebis 8 m

    Geschiebemergel des Brandenburger Stadiums

    Nachschüttsandebis 5 m

    Schmelzwassersedimente

    Periglaziale Deckschichten

    Verwitterungsprodukte und Böden

    Der Geschiebemergel fungiert als stauender Grundwassergeringleiter, wodurch der Anteil oberflächennaher Abflüsse relativ hoch ist.

    Die Zauche: Eine eiszeitliche Hochfläche

    Die Zauche, an deren Rand die Seddiner Seen liegen, ist eine geologische Hochfläche. Sie bildet die Wasserscheide zwischen Havel und Nuthe-Nieplitz-System.

    Morphologische Prägung durch:

    • Grundmoränenplatten aus Geschiebemergel
    • Talböden mit Schmelzwassersanden
    • Glaziale Rinnen durch Schmelzwassererosion
    • Endmoränen und Talsander
    • Niederungsgebiete mit flachen Seen

    17

    km Breite

    20k

    Jahre alt

    Postglaziale Entwicklung: Vom Eis zum heutigen See

    Nach dem Rückzug des Eises vor etwa 15.000 bis 12.000 Jahren begann die holozäne Entwicklung:

    Toteistauen

    Das langsame Abschmelzen der Toteiskörper führte zur endgültigen Beckenausbildung

    Permafrost

    Im Spätglazial wirkten Frost- und Auftauvorgänge auf die Landschaft

    Vermoorung

    In den Niederungen bildeten sich Torfe

    Sedimentation

    Ablagerung von Seesedimenten, heute mehrere Meter mächtig

    Eiszeitliche Relikte

    Die Region ist reich an eiszeitlichen Hinterlassenschaften:

    • Findlinge aus Skandinavien und Baltikum
    • Saarmunder Endmoränenbogen
    • Toteisseen wie der Teufelssee
    • Erlenbrüche in Schmelzwasserrinnen

    Der Findlingsgarten in Seddin präsentiert typische Gesteinsarten aus dem Norden.

    Von der Eiszeit zur Besiedlung

    Nach dem Rückzug des Eises entwickelte sich eine reiche Seenlandschaft. Die ersten menschlichen Spuren reichen zurück in die Zeit vor mehr als 10.000 Jahren – die Übergangsphase von Jäger-Sammler-Kulturen zu sesshaften Bauern.

    Jäger-Sammler-Kulturen
    Germanische Stämme (Semnonen)
    Slawische Siedler
    Heute

    Der Name "Seddin" ist slawischen Ursprungs (abgeleitet von zid = "flüssig").

    Heute bilden die Seddiner Seen einen wichtigen Teil des Naturparks Nuthe-Nieplitz und sind ein beliebtes Naherholungsgebiet – eine Landschaft, die ihre Grundstruktur der letzten Eiszeit verdankt.

    Zeitliche Übersicht

    115.000 Jahre v. h.

    Beginn der Weichsel-Kaltzeit

    20.000 Jahre v. h.

    Maximaler Eisvorstoß

    15.000 Jahre v. h.

    Seen entstehen

    11.700 Jahre v. h.

    Ende der Eiszeit

    10.000 Jahre v. h.

    Erste Menschen

    Heute

    Naturpark & Naherholung